Genau

Imperativ

der Imperativ

Der Imperativ ist die Befehlsform des Verbs und drückt eine Aufforderung, einen Rat oder eine Bitte aus: Komm! Kommt! Kommen Sie!

Komm! · Kommt! · Kommen Sie! – dieselbe Aufforderung in drei verschiedenen Formen. Die Höflichkeit steckt im Deutschen in der Form des Verbs, nicht im Ton. Du bekommst die Formen für drei Personen, den Imperativ bei unregelmäßigen Verben und den Unterschied zwischen Bitte und Befehl.

01

Drei Formen, eine Logik

KurzregelBeim Imperativ mit du gibt es keine Endung und kein Pronomen: Komm! · Geh! · Nimm!

Es gibt drei Formen, je nachdem, wen du ansprichst. Die Wahl hängt nur davon ab, mit wem du sprichst – nicht vom Ton, sondern von der Form.

Wen sprichst du an?So wird sie gebildetkommenmachen
du · eine Person, vertrautnur der Verbstamm (kein Pronomen)Komm!Mach!
ihr · mehrere Personen, vertrautihr-Form, das Pronomen fällt wegKommt!Macht!
Sie · höflichVerb + Sie (das Pronomen bleibt)Kommen Sie!Machen Sie!

Neu ist nur die du-Form: Das Pronomen fällt weg und das Verb steht ohne Endung da. Die Formen für ihr und Sie kennst du schon von der Konjugation.

Komm bitte her!

→ du

Kommen Sie bitte herein!

→ Sie

02

Zwei Details bei der du-Form

Erstens: Bei manchen Verben steht am Ende ein -e. Es macht das Wort sprechbar. Endet der Stamm auf -t · -d oder auf Konsonant + m/n (öffn-, atm-), ist das -e nötig. Nach Vokal + m/n wie in komm- nicht. Bei anderen Verben fällt es in der Alltagssprache weg.

VerbImperativ (du)Grund
wartenWarte!Stamm endet auf -t
öffnenÖffne!Stamm endet auf Konsonant + n
kommenKomm!Vokal + m, nicht nötig
gehenGeh!nicht nötig, fällt weg

Zweitens, und wichtiger: Bei Verben mit Vokalwechsel e → i ändert sich auch der Imperativ, und es kommt nie ein -e dazu. Der Wechsel a → ä gilt im Imperativ aber nicht.

VerbPräsens (du)Imperativ (du)Regel
gebendu gibstGib!e → i gilt auch im Imperativ
lesendu liestLies!e → ie gilt auch im Imperativ
helfendu hilfstHilf!e → i gilt auch im Imperativ
fahrendu fährstFahr!a → ä gilt im Imperativ NICHT
schlafendu schläfstSchlaf!der Umlaut verschwindet

Kurzregel: Der e-Wechsel bleibt im Imperativ, der Umlaut nicht.

03

sein · trennbare Verben · Abschwächer

FallduihrSie
sein – ganz unregelmäßigSei!Seid!Seien Sie!
habenHab!Habt!Haben Sie!
trennbares Verb aufmachenMach … auf!Macht … auf!Machen Sie … auf!

Sei ruhig! · Seien Sie bitte leise! – Den Imperativ von sein lernst du auswendig, dafür gibt es keine Regel.

Ein Imperativ klingt im Deutschen nicht unhöflich, aber zwei kleine Wörter machen daraus eine Bitte. Im Alltag steht fast in jeder Aufforderung eines davon.

  • bitte – kann fast überall stehen: Bitte komm! · Komm bitte!
  • mal – macht die Aufforderung locker: Warte mal! = „Warte einen Moment.“ Der Satz klingt sofort freundlicher.
  • Beide stehen auch zusammen: Mach mal bitte das Fenster auf.

Mach das Licht aus!

→ Die Vorsilbe steht am Ende.

Ausmach das Licht!

→ Die Vorsilbe steht am Anfang: falsch.

Jetzt üben

Was du gerade gelernt hast

  • ___ Sie bitte Platz!

    Antwort zeigen

    Nehmen. Im Imperativ mit Sie steht das Verb am Satzanfang, in der Form des Infinitivs.

  • Der Satz „Gebe mir das Buch!“ ist richtig.

    Antwort zeigen

    Falsch. Das Verb geben behält im Imperativ den Wechsel e→i. Richtig ist Gib mir das Buch!

  • Aufforderung an eine Gruppe von Freunden: kommen →

    Antwort zeigen

    Kommt! Die vertraute Anrede für mehrere Personen ist die ihr-Form.

04

Drei Fallen

FALLE 01

Bei Sie das Pronomen weglassen

Kommen! ist falsch – das ist kein Imperativ, sondern sieht aus wie ein Infinitiv. In der höflichen Form muss Sie stehen: Kommen Sie! Nur bei du fällt das Pronomen weg.

FALLE 02

Den Vokalwechsel nicht in den Imperativ übernehmen

Gebe mir das Buch! ist falsch, ebenso Lese den Text!. Richtig ist Gib mir das Buch! und Lies den Text!. Die Regel: Hat die du-Form den Wechsel e → i/ie, dann hat ihn auch der Imperativ, und am Ende steht kein -e.

FALLE 03

Den ihr-Imperativ auch in formellen Situationen benutzen

Kommt! ist die vertraute Anrede für mehrere Personen, zum Beispiel für Freunde oder Kinder. Zu einer Beamtin, einem Lehrer oder einer Kundin sagst du Kommen Sie!. Die falsche Form wirkt unhöflich.

05Bauen

Bau den Satz selbst

Tipp die Wörter an und bring sie in die richtige Reihenfolge. Das ist der schwierigste Teil im Deutschen – und es gibt keine Auswahl: Du baust den Satz.

  1. Wörter antippen

  2. Wörter antippen

Tipps

Vor dem Test wissen

Der Kern des Themas in drei Zeilen, darunter die häufigsten Fehler.

  1. Imperativ mit du: Stamm, keine Endung

    Warte! · Komm! · Fahr! – das Pronomen fällt weg, bei den meisten Verben bleibt nur der Stamm.

    Warte!

  2. Der Wechsel e→i BLEIBT, a→ä nicht

    Lies! · Iss! · Nimm! aber Fahr! · Schlaf!

    Lies den Text!

  3. Imperativ mit ihr und Sie

    ihr: dieselbe Form wie im Präsens, das Pronomen fällt weg – Kommt! · Sie: Verb + Sie – Kommen Sie! (sein → Seien Sie!)

    Kommt! · Kommen Sie!

  4. Der abgetrennte Teil geht ans Ende

    aufmachen → Mach … auf! · mitkommen → Komm mit!

    Mach das Fenster auf!

  • Liest den Text!

    Lies den Text!

    Der Imperativ mit du hat kein -st. Der veränderte Stamm bleibt.

  • Fähr langsam!

    Fahr langsam!

    Der Wechsel a→ä gilt im Imperativ nicht.

  • Sein Sie leise!

    Seien Sie leise!

    Der Imperativ mit Sie hat bei sein eine besondere Form.

  • Aufmach das Fenster!

    Mach das Fenster auf!

    Die trennbare Vorsilbe steht auch im Imperativ am Ende.

0505:20

Teste dich

Tipp auf eine Antwort – dann schauen wir gemeinsam, warum sie stimmt.

Du bittest einen Freund (du): warten →

Warte! Der Stamm endet auf -t, deshalb ist das -e am Ende nötig.

Aufforderung an einen Freund (du): den Text lesen →

Lies! Der Wechsel e → ie gilt auch im Imperativ, und es kommt kein -e dazu.

Höfliche Bitte (Sie): leise sein →

Seien Sie. Die Imperativformen von sein sind unregelmäßig: sei · seid · seien Sie.

Aufforderung an einen Freund (du): das Fenster aufmachen →

Mach … auf! Bei einem trennbaren Verb geht die Vorsilbe ans Satzende.

Aufforderung an einen Freund (du): langsam fahren →

Fahr! Der Umlaut (a → ä) gilt im Imperativ nicht.

Aufforderung an eine Gruppe von Freunden: kommen →

Kommt! Die vertraute Anrede für mehrere Personen ist die ihr-Form.
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0/6 · Fragen beantwortet

Arbeitsblatt

Imperativ – Taschenkarte

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