Genau

Indirekte Fragen

indirekte Fragen

Indirekte Fragen sind Fragen, die man nicht direkt stellt, sondern in einen Satz einbaut: ob, wo, wann, wie.

„Weißt du, wo ist der Bahnhof?“ – das ist ein Fehler. Die Frageform fällt weg, und das Verb geht ans Ende.

01

Jetzt: zwei Fragearten, zwei Wege

Darauf baut diese Seite auf

Eine indirekte Frage ist ein Nebensatz. Die Regel von weil gilt hier genauso.

KurzregelHat die Frage ein W-Wort, wird dieses Wort zur Konjunktion (wo · wann · wie · warum). Hat sie keins, setzt du ob ein. In beiden Fällen geht das Verb ans Ende.

Direkte FrageIndirekte FormWas ändert sich?
Wo ist der Bahnhof?Ich weiß nicht, wo der Bahnhof ist.Das Verb steht am Ende.
Wann kommt er?Weißt du, wann er kommt?Das Verb steht am Ende.
Kommt er heute?Ich weiß nicht, ob er heute kommt.ob kommt dazu + Verb am Ende

Die dritte Zeile ist wichtig: Eine Ja-/Nein-Frage hat keine Konjunktion. Deshalb setzt man eine ein: ob. Es bedeutet: „ja oder nein?“

02

Direkt und indirekt im Vergleich

Wenn du eine Frage in einen Satz einbaust, ändert sich der Aufbau: Die Frageform verschwindet, und das Verb rutscht ans Ende. Das gilt für jede Frage.

DirektIndirektWas fragt sie?
Wo wohnt er?Ich weiß nicht, wo er wohnt.Ort (W-Frage)
Kommt er?Ich weiß nicht, ob er kommt.ja oder nein → ob
Wann kommt er?Ich weiß nicht, wann er kommt.Zeit (W-Frage)

Die zweite Zeile zeigt den Kern: Wenn die direkte Frage mit „ja“ oder „nein“ beantwortet wird, steht im Nebensatz ob.

03

Zwei typische Fehler

Falle 1

wenn statt ob

Das ist die wichtigste Zeile dieser Seite. Beide Wörter schicken das Verb ans Ende, aber sie haben zwei ganz verschiedene Bedeutungen:

WortFunktionBeispiel
obFrage: ja oder nein?Ich weiß nicht, ob er kommt. – Kommt er? Das weiß ich nicht.
wennBedingung oder ZeitIch freue mich, wenn er kommt. – Falls er kommt, freue ich mich.

Beide Wörter schicken das Verb ans Ende. Der Satz ist deshalb grammatisch in Ordnung, der Fehler fällt nicht auf. Aber die Bedeutung ändert sich komplett. Das ist einer der heimtückischsten Fehler.

Ich weiß nicht, wenn er kommt.

→ Das klingt wie „falls er kommt, weiß ich es nicht“ – es ergibt keinen Sinn.

Ich weiß nicht, ob er kommt.

Kontrolle: Ist die Frage mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten? Dann brauchst du ob. Passt „falls“ oder „immer wenn“? Dann brauchst du wenn.

Falle 2

Die Reihenfolge der Frage behalten

In der direkten Frage steht das Verb vorn. Im indirekten Satz wird das rückgängig gemacht. Viele Lernende übernehmen die Reihenfolge der Frage unverändert.

Ich weiß nicht, wann kommt er.

→ Die Reihenfolge der Frage ist geblieben.

Ich weiß nicht, wann er kommt.

Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ist?

Bei einem trennbaren Verb kommen die zwei Teile am Ende zusammen: Ich weiß nicht, wann der Zug abfährt. Bei einem Modalverb steht das Modalverb ganz am Ende: …, ob ich kommen kann.

04

Wohin kommt das Fragezeichen?

Ein kleines Detail, das in schriftlichen Prüfungen wichtig ist: Der Hauptsatz bestimmt das Satzzeichen, nicht die Frage im Inneren.

SatzZeichenGrund
Ich weiß nicht, ob er kommt.PunktDer Hauptsatz ist eine Aussage.
Weißt du, ob er kommt?FragezeichenDer Hauptsatz ist eine Frage.
Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ist?FragezeichenDer Hauptsatz ist eine Frage.

Der innere Aufbau ist in allen drei Zeilen gleich. Es kommt nur darauf an, ob der erste Satz eine Frage ist.

Es gibt nur wenige Formeln, die eine indirekte Frage einleiten, und alle sind nützlich: Ich weiß nicht, … · Weißt du, … · Können Sie mir sagen, … · Ich frage mich, … · Es ist unklar, …

05

Was dir kaum jemand sagt: Es ist ein Höflichkeitswerkzeug

In Lehrbüchern steht dieses Thema unter „Sätze verbinden“. Für jemanden, der in Deutschland lebt, hat es aber eine andere Aufgabe: So fragt man einen Fremden normalerweise.

Direkt (knapp)Indirekt (normal)Wo
Wo ist der Bahnhof?Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ist?auf der Straße
Wann kommt der Bus?Wissen Sie, wann der Bus kommt?an der Haltestelle
Haben Sie das?Ich wollte fragen, ob Sie das haben.im Geschäft

Die Sätze links sind nicht falsch – grammatisch sind sie perfekt. Aber wenn du einen Fremden in Deutschland so fragst, klingt das etwas knapp. Die Form rechts ist richtig und sicher.

Der Trick: Du schiebst den schwierigen Teil des Satzes nach hinten. Mit Können Sie mir sagen, … gewinnst du eine halbe Sekunde und kannst den Rest zusammensetzen. Das ist eine echte Technik gegen Sprechblockaden – lies dazu auch die Seite über Blockaden beim Sprechen.

Das Zweite, das kaum jemand sagt: ob steht nicht nur in indirekten Fragen. Es kann auch allein einen Satz beginnen und bedeutet dann „Ich frage mich, ob …“: Ob er heute kommt? Deutsche benutzen das oft, wenn sie laut nachdenken.

Jetzt üben

Was du gerade gelernt hast

  • Ich weiß nicht, ___ er kommt.

    Antwort zeigen

    ob — Wird eine Ja-/Nein-Frage zur indirekten Frage, steht die Konjunktion ob.

  • Ich weiß nicht, wo ist er.

    Antwort zeigen

    Falsch — In indirekten Fragen steht das Verb immer ganz am Ende des Nebensatzes: ... wo er ist.

  • Können Sie mir sagen, ___ das Ticket kostet? (Frage nach dem Preis)

    Antwort zeigen

    wie viel. Hat die direkte Frage ein W-Wort, wird dieses Wort selbst zur Konjunktion – davor kommt nichts dazu. ob steht nur bei Ja-/Nein-Fragen, also wenn es kein W-Wort gibt. Eine doppelte Konjunktion wie ob wie viel gibt es im Deutschen nicht.

06

Was du diese Woche tun kannst

Dieses Thema sitzt, wenn du jede Frage zweimal stellst. Fünf Minuten pro Tag:

  • Schreibe fünf direkte Fragen: Wo ist …? Wann kommt …? Wie viel kostet …?
  • Baue jede mit Können Sie mir sagen, … neu – das Verb kommt ans Ende.
  • Schreibe dann drei Ja-/Nein-Fragen und baue sie mit ob ein: Ich weiß nicht, ob …
  • Prüfe bei jedem ob-Satz: Ist die ursprüngliche Frage mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten?
  • Schreibe einmal pro Woche einen wenn-Satz und einen ob-Satz nebeneinander – so siehst du den Unterschied in deinen eigenen Sätzen.

Als Nächstes kommt die zweite Bedeutung der Modalverben: warum Er muss krank sein nicht „Er ist verpflichtet, krank zu werden“ bedeutet.

07Bauen

Bau den Satz selbst

Tipp die Wörter an und bring sie in die richtige Reihenfolge. Das ist der schwierigste Teil im Deutschen – und es gibt keine Auswahl: Du baust den Satz.

  1. Wörter antippen

  2. Wörter antippen

  3. Wörter antippen

Tipps

Vor dem Test wissen

Der Kern des Themas in drei Zeilen, darunter die häufigsten Fehler.

  1. Ein Fragewort ist die Konjunktion

    Beginnt die ursprüngliche Frage mit wann · wo · warum · wie viel, steht dieses Wort auch im indirekten Satz. Es kommt nichts dazu. Gibt es kein Fragewort, steht ob.

    Wo ist der Bahnhof? → Wissen Sie, wo der Bahnhof ist?

  2. ob = „ja oder nein?“

    Fragen, die man mit „ja“ oder „nein“ beantwortet, bekommen im indirekten Satz ob. Es ist NICHT wenn. wenn drückt eine Bedingung oder Zeit aus.

    Kommt er? → Ich weiß nicht, ob er kommt.

  3. Das Verb steht am Ende, die Frageform fällt weg

    Im Nebensatz steht das konjugierte Verb an letzter Stelle. Die Fragereihenfolge (kommt er) wird im indirekten Satz korrigiert: er kommt.

    Wann kommt er? → Weißt du, wann er kommt?

  4. Das trennbare Verb kommt am Ende zusammen

    Im Nebensatz wird das trennbare Verb wieder zusammengesetzt: fährt ab → abfährt. Im Perfekt steht das Partizip zuerst und das Hilfsverb ganz am Ende.

    … wann der Zug abfährt. · … warum du nicht gekommen bist.

  • Ich weiß nicht, wenn er kommt.

    Ich weiß nicht, ob er kommt.

    wenn ist eine Konjunktion für Bedingung oder Zeit. Wer fragt, ob etwas so ist oder nicht, braucht ob.

  • Weißt du, wann kommt er?

    Weißt du, wann er kommt?

    Die indirekte Frage ist kein Fragesatz mehr, sondern ein Nebensatz. Die Fragereihenfolge fällt weg, das Verb geht ans Ende.

  • Ich weiß nicht, wann der Zug ab fährt.

    Ich weiß nicht, wann der Zug abfährt.

    Im Nebensatz wird der abgetrennte Teil wieder mit dem Verb verbunden und steht als ein Wort am Ende.

  • Sag mir, warum du nicht bist gekommen.

    Sag mir, warum du nicht gekommen bist.

    Im Perfekt-Nebensatz ändert sich die Reihenfolge: Das Partizip steht zuerst, das Hilfsverb ganz am Ende.

0705:10

Teste dich

Tipp auf eine Antwort – dann schauen wir gemeinsam, warum sie stimmt.

Ich weiß nicht, er heute kommt.

ob. Im Satz steckt eine Ja-/Nein-Frage: Kommt er heute? wenn drückt eine Bedingung aus und verändert die Bedeutung.

Weißt du, wann ?

er kommt. Eine indirekte Frage ist ein Nebensatz: Die Fragereihenfolge fällt weg, und das Verb geht ans Ende.

Ich freue mich, du kommst.

wenn. Hier gibt es keine Frage, sondern eine Bedingung: „Falls du kommst, freue ich mich.“ Man kann hier nicht mit „ja oder nein?“ fragen, also ist es nicht ob.

Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ?

ist. Das Verb geht ans Ende. Weil der Hauptsatz eine Frage ist, bleibt das Fragezeichen am Satzende – aber der innere Aufbau ist der eines Nebensatzes.

Ich weiß nicht, wann der Zug .

abfährt. Im Nebensatz kommen die zwei Teile des trennbaren Verbs am Ende zusammen und werden als ein Wort geschrieben.

Können Sie mir sagen, das Ticket kostet? (Frage nach dem Preis)

wie viel. Hat die direkte Frage ein W-Wort, wird dieses Wort selbst zur Konjunktion – davor kommt nichts dazu. ob steht nur bei Ja-/Nein-Fragen, also wenn es kein W-Wort gibt. Eine doppelte Konjunktion wie ob wie viel gibt es im Deutschen nicht.
+7 Thema abschließen: ganzer Test 13 Fragen · mit Zeit · wie in der Prüfung · 60 % schließen das Thema ab

Übung geschafft – –

Um das Thema abzuschließen, mach den ganzen Test: Mit 60 % ist es auf deinem Niveau-Weg als erledigt markiert.

0/6 · Fragen beantwortet

Arbeitsblatt

Arbeitsblatt Indirekte Fragen

Diese ganze Seite – Tabellen, Stolperfallen, Beispiele – als ein PDF. Herunterladen, ausdrucken und vor der Prüfung noch einmal durchgehen.