Genau

Reflexive Verben

die reflexiven Verben

Reflexive Verben zeigen, dass die Person die Handlung an sich selbst macht, mit einem Reflexivpronomen: sich freuen, sich waschen, sich vorstellen.

„Ich wasche mich“ heißt: Ich wasche meinen eigenen Körper. Das Pronomen gehört fest zum Verb, und es ändert sich an drei Stellen.

01

Gleich am Anfang: Was ist ein reflexives Verb?

Darauf baut diese Seite auf

Wenn du die Tabelle mich · dir · uns kennst, zeigt diese Seite eine besondere Verwendung davon.

KurzregelDas Pronomen eines reflexiven Verbs ist kein Schmuck, es gehört zum Verb. Lässt du es weg, wird der Satz nicht unbedingt falsch – er bedeutet etwas anderes.

Ein Verb ist reflexiv, wenn die Handlung zur handelnden Person zurückkommt. Man sieht das an einem eigenen Wort im Satz:

  • Ich wasche das Auto. OBJEKT IST ETWAS ANDERES · NICHT REFLEXIV
  • Ich wasche mich. OBJEKT BIN ICH · REFLEXIV
  • Ich wasche mir die Hände. DIE HÄNDE SIND OBJEKT · „MIR“ IM DATIV

Das Verb ist in allen drei Sätzen gleich: waschen. Es ändert sich nur, wer das Objekt ist.

02

Verben, die du im Alltag ständig brauchst

Viele dieser Verben beschreiben alltägliche Handlungen am eigenen Körper. Du kennst sie vom Morgen: aufstehen, waschen, anziehen, kämmen. Bei diesen Verben ist das „sich“ leicht zu merken:

VerbWas passiert?Beispiel
sich waschenden eigenen Körper waschenIch wasche mich.
sich anziehendie eigene Kleidung anziehenIch ziehe mich an.
sich vorbereitensich selbst startklar machenIch bereite mich vor.
sich kämmendie eigenen Haare kämmenIch kämme mich.
sich vorstellenden eigenen Namen nennenDarf ich mich vorstellen?

Diese Gruppe ist leicht: Die Handlung geht ganz klar an dich selbst zurück. Schwieriger sind Verben, bei denen man das nicht spürt – sich freuen, sich erinnern. Sie kommen im nächsten Abschnitt.

03

Die Pronomen-Tabelle – ein Unterschied an drei Stellen

Die Reflexivpronomen sind die Objektpronomen, die du schon kennst. Nur für die dritte Person Singular, die dritte Person Plural und Sie gibt es ein eigenes Wort: sich.

PersonAkkusativDativBeispiel
ichmichmirIch wasche mich.
dudichdirDu wäschst dich.
er / sie / essichsichEr wäscht sich.
wirunsunsWir waschen uns.
ihreucheuchIhr wascht euch.
sie / SiesichsichSie waschen sich.

Gute Nachricht: Akkusativ und Dativ unterscheiden sich nur bei ich und du – mich/mir, dich/dir. In den anderen vier Zeilen ist das Wort gleich. Du musst also nur bei zwei Personen entscheiden.

Wie entscheidest du? Mit einer einzigen Frage: Gibt es im Satz noch ein anderes Objekt?

  • Ich wasche mich. KEIN ANDERES OBJEKT → AKKUSATIV · MICH
  • Ich wasche mir die Hände. OBJEKT „DIE HÄNDE“ → DATIV · MIR
  • Ich ziehe mich an. KEIN ANDERES OBJEKT → MICH
  • Ich ziehe mir den Mantel an. OBJEKT „DEN MANTEL“ → MIR

Die Regel in einem Satz: Wer den Platz des Objekts einnimmt, steht im Akkusativ. Bist du selbst das Objekt, heißt es mich. Ist etwas anderes das Objekt, rutschst du in den Dativ – mir. Bei Körperteilen ist es fast immer der Dativ.

04

Verben, bei denen man das „sich“ nicht spürt – hier lernst du auswendig

Diese Gruppe ist schwer, weil man dem Verb die Rückbeziehung nicht ansieht. Du sagst „Ich freue mich“, aber wen oder was freust du? Das Pronomen ist trotzdem Pflicht. Diese Verben lernst du einfach auswendig.

VerbBedeutungBeispiel
sich freuenfroh seinIch freue mich.
sich ärgernwütend seinEr ärgert sich.
sich erinnernan früher denkenIch erinnere mich.
sich beeilenschnell machenBeeil dich!
sich setzenPlatz nehmenSetz dich!
sich fühleneinen Zustand spürenIch fühle mich gut.
VerbBedeutungBeispiel
sich interessierenInteresse habenIch interessiere mich dafür.
sich unterhaltenmiteinander redenWir unterhalten uns.
sich verabredeneinen Termin ausmachenWir verabreden uns.
sich entschuldigenum Verzeihung bittenIch entschuldige mich.
sich bedankenDanke sagenIch bedanke mich.
sich vorstellenden eigenen Namen nennenDarf ich mich vorstellen?

Steht im Wörterbuch sich freuen, dann ist das Pronomen Pflicht. Schreib das Wort ins Heft immer mit „sich“ – wenn du es später ergänzen willst, vergisst du es jedes Mal.

FALLE 01

sich vorstellen – zwei Bedeutungen, ein Buchstabe Unterschied

Dasselbe Verb sagt mit Akkusativ und mit Dativ zwei ganz verschiedene Dinge. Das ist das schönste Beispiel für reflexive Verben – und im Vorstellungsgespräch wird es am häufigsten verwechselt.

Ich stelle mich vor.

= Ich sage, wer ich bin.

Ich stelle mir das vor.

= Ich denke mir das aus, ich habe ein Bild im Kopf.

Die Logik passt zur Tabelle: Im zweiten Satz ist das Objekt das – es hat den Akkusativ genommen, und du rutschst in den Dativ.

05

Feste Präpositionen: freuen „auf“ oder „über“?

Die meisten reflexiven Verben gehören zu einer bestimmten Präposition, und diese Präposition bestimmt den Kasus. Viele Lernende überspringen das und stolpern dann beim Sprechen.

Verb + PräpositionKasusBedeutungBeispiel
sich freuen aufAkkusativVorfreude auf etwas KommendesIch freue mich auf den Urlaub.
sich freuen überAkkusativFreude über etwas Gegenwärtiges oder VergangenesIch freue mich über das Geschenk.
sich interessieren fürAkkusativInteresse habenIch interessiere mich für Musik.
sich erinnern anAkkusativim Gedächtnis habenIch erinnere mich an dich.
sich ärgern überAkkusativwütend sein wegen etwasIch ärgere mich über den Chef.
sich treffen mitDativzusammenkommenIch treffe mich mit ihm.
sich unterhalten mitDativmiteinander redenIch unterhalte mich mit ihr.
sich bedanken fürAkkusativDanke sagen für etwasIch bedanke mich für die Hilfe.

Der Unterschied zwischen auf und über ist die Zeit: auf schaut nach vorn, über schaut zurück. Ich freue mich auf das Konzert = Das Konzert hat noch nicht stattgefunden. …über das Konzert = Das Konzert war schon, und es war schön.

Steht ein Pronomen nach der Präposition, verschmelzen beide zu darauf · darüber · dafür: Ich freue mich darauf. Die Regel dazu steht ausführlich auf der Seite zu den Pronomen.

06

uns / euch können auch „einander“ bedeuten

Bei mehreren Personen kann dasselbe Pronomen zwei verschiedene Bedeutungen haben. Die zweite heißt reziprok (gegenseitig).

Wir waschen uns.

= Jeder wäscht sich selbst. (reflexiv)

Wir kennen uns.

= Ich kenne dich, du kennst mich. (reziprok)

Wenn es unklar ist, macht man es mit einander deutlich – im Alltag reicht aber der Zusammenhang, und niemand fügt es hinzu.

Wir helfen einander.

= Eindeutig gegenseitig.

FALLE 02

Lässt du das Pronomen weg, ist der Satz nicht falsch – aber die BEDEUTUNG ändert sich

Das ist der gemeine Fehler bei reflexiven Verben. Wenn du das Pronomen vergisst, entsteht oft ein Satz, der grammatisch richtig ist, aber etwas ganz anderes sagt. Dein Gegenüber korrigiert dich nicht, weil dein Satz Sinn ergibt.

Ich ziehe mich an.

Ich ziehe an.

= Was denn? – Das Objekt fehlt; man erwartet etwa „Ich ziehe die Jacke an“.

Setz dich!

Setz!

= Klingt unvollständig, als fehle etwas. (Selbst der Befehl an einen Hund heißt „Sitz!“.)

Jetzt üben

Was du gerade gelernt hast

  • Wir müssen ___ beeilen.

    Antwort zeigen

    uns — sich beeilen steht immer mit einem Reflexivpronomen im Akkusativ.

  • Im Deutschen kann man sagen: Ich wasche mich die Hände.

    Antwort zeigen

    Falsch. Wenn es ein Objekt gibt (die Hände), steht das Reflexivpronomen im Dativ: Ich wasche mir die Hände.

  • Er interessiert ___ für Fußball.

    Antwort zeigen

    sich. In der dritten Person Singular, der dritten Person Plural und bei Sie ist das Reflexivpronomen in beiden Kasus sich.

07

Was du diese Woche machst

Reflexive Verben lernst du am besten, wenn du deinen Tagesablauf beschreibst, denn der ganze Morgen besteht aus reflexiven Verben. Eine Übung mit fünf Sätzen:

  • Schreib deine Morgenroutine der Reihe nach auf: Ich wache auf. Ich wasche mich. Ich putze mir die Zähne. Ich ziehe mich an. Ich beeile mich.
  • Wiederhole dieselbe Liste mit er – alle Pronomen werden zu sich.
  • Wiederhole dieselbe Liste mit wir – alle werden zu uns.
  • Bilde drei Sätze mit Verben, bei denen man das „sich“ nicht spürt, über dein eigenes Leben: Ich freue mich auf… · Ich interessiere mich für… · Ich ärgere mich über…
  • Wenn du ein neues reflexives Verb lernst, schreib es ins Heft immer mit „sich“ und der Präposition: sich freuen auf + A.

Als Nächstes kommt Präteritum: Wenn du diese Sätze in die Vergangenheit setzt, begegnen dir war · hatte · konnte.

08Bauen

Bau den Satz selbst

Tipp die Wörter an und bring sie in die richtige Reihenfolge. Das ist der schwierigste Teil im Deutschen – und es gibt keine Auswahl: Du baust den Satz.

  1. Wörter antippen

  2. Wörter antippen

  3. Wörter antippen

Tipps

Vor dem Test wissen

Der Kern des Themas in drei Zeilen, darunter die häufigsten Fehler.

  1. Mit Objekt steht das Pronomen im Dativ

    Ich wasche mich, aber Ich wasche mir die Hände – kommt im Satz ein weiteres Objekt vor, steht das Reflexivpronomen im Dativ. Der Unterschied zeigt sich nur bei ich/du.

    Ich putze mir die Zähne.

  2. Verb und Präposition lernt man zusammen

    sich freuen auf (Vorfreude) · sich freuen über (Freude über etwas) · sich interessieren für · sich ärgern über · sich erinnern an.

    Ich freue mich auf das Wochenende.

  3. Manche Verben gibt es nur reflexiv

    sich beeilen · sich erholen · sich verspäten – das Pronomen kann man nicht weglassen. Es ist Pflicht, auch wenn man es beim Verb nicht spürt.

    Beeil dich!

  4. Im Plural kann es „einander“ bedeuten

    Wir kennen uns kann „jeder sich selbst“ oder „gegenseitig“ heißen; der Zusammenhang entscheidet. Braucht man Klarheit, nimmt man einander.

    Wir kennen uns seit Jahren.

  • Ich wasche mich die Hände.

    Ich wasche mir die Hände.

    Mit einem Objekt (die Hände) steht das Reflexivpronomen im Dativ.

  • Ich freue mich über das Wochenende. (gemeint: Vorfreude)

    Ich freue mich auf das Wochenende.

    auf drückt Vorfreude auf etwas Kommendes aus, über Freude über etwas, das schon da ist.

  • Beeil du!

    Beeil dich!

    sich beeilen geht nicht ohne Pronomen – auch im Imperativ bleibt dich.

  • Er interessiert sich über Fußball.

    Er interessiert sich für Fußball.

    sich interessieren steht mit für.

0806:40

Teste dich

Tipp auf eine Antwort – dann schauen wir gemeinsam, warum sie stimmt.

Ich freue auf das Wochenende.

mich. Im Satz gibt es kein anderes Objekt (auf das Wochenende ist eine Ergänzung mit Präposition), also Akkusativ. Außerdem schaut auf nach vorn: Das Wochenende ist noch nicht da.

Ich putze die Zähne.

mir. Den Akkusativ hat die Zähne genommen – du rutschst in den Dativ. Bei Körperteilen ist das fast immer so.

Er interessiert für Fußball.

sich. In der dritten Person Singular, der dritten Person Plural und bei Sie ist das Reflexivpronomen in beiden Kasus sich.

Du willst dich höflich vorstellen. Welcher Satz ist richtig?

Darf ich mich vorstellen? mir vorstellen bedeutet „sich etwas ausdenken“ – im Vorstellungsgespräch wird das oft verwechselt.

Wir kennen uns. Was sagt dieser Satz?

Ich kenne dich, und du kennst mich. Im Plural drückt dasselbe Pronomen auch Gegenseitigkeit aus. Willst du es klarer sagen, nimmst du einander.

Ich wasche die Hände.

Gibt es im Satz noch ein Objekt (die Hände), steht das Reflexivpronomen im Dativ: mir. Ohne Objekt bleibt es im Akkusativ: Ich wasche mich.
+7 Thema abschließen: ganzer Test 13 Fragen · mit Zeit · wie in der Prüfung · 60 % schließen das Thema ab

Übung geschafft – –

Um das Thema abzuschließen, mach den ganzen Test: Mit 60 % ist es auf deinem Niveau-Weg als erledigt markiert.

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Arbeitsblatt

Arbeitsblatt Reflexive Verben

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