Genau
A1 · Anfänger #SOLLEN

Das Verb sollen

das Modalverb sollen

sollen ist ein Modalverb: Es drückt aus, was jemand anderes von dir will, oder einen Rat: ich soll, du sollst, er soll.

müssen ist eine Notwendigkeit, sollen ist der Wunsch eines anderen. „Ich muss gehen“ und „Ich soll gehen“ sind zwei verschiedene Verben mit zwei verschiedenen Bedeutungen.

01

Konjugation – und die eine Besonderheit

Kurzregelsollen ist von den sechs Modalverben das einzige, dessen Stamm sich nie ändert: soll, kein Vokalwechsel.

Bei den anderen ändert sich der Vokal im Singular: können → kann, müssen → muss. Bei sollen nicht. Es gilt nur die Modalverb-Regel: ich und er sind gleich, beide bekommen keine Endung.

PersonsollenBeispiel
ichsollIch soll früher kommen.
dusollstDu sollst mehr schlafen.
er / sie / essollEr soll warten.
wirsollenWir sollen leise sein.
ihrsolltIhr sollt aufräumen.
sie / SiesollenSie sollen unterschreiben.
02

Die drei Aufgaben von sollen

AufgabeWer will das?Beispiel
1 · Wunsch eines anderenEine Person oder eine InstitutionDer Arzt sagt, ich soll mehr schlafen.
= Der Arzt will, dass ich mehr schlafe.
2 · RatDie sprechende PersonDu solltest nicht so viel arbeiten.
= Ich finde, du arbeitest zu viel.
3 · Angebot zu helfenAls FrageSoll ich dir helfen?
= Möchtest du, dass ich dir helfe?

Die dritte Aufgabe brauchst du im Alltag am meisten. Soll ich…? ist die Frage „Möchtest du, dass ich …?“ und du hörst sie in Deutschland ständig.

  • Soll ich das Fenster aufmachen? Angebot · häufigstes Muster
  • Was soll ich machen? um Rat fragen
  • Du sollst nicht lügen. Regel · Moral
  • Ich soll um acht da sein. Anweisung
  • Du solltest mehr schlafen. sanfter Rat
  • Er soll sehr nett sein. = Man sagt, dass er sehr nett ist. vom Hörensagen

Die Form solltest / sollte macht einen Rat weicher: Du sollst mehr schlafen klingt wie eine Anweisung, Du solltest mehr schlafen klingt wie ein freundlicher Rat. Für Ratschläge benutzt man in Deutschland fast immer diese Form.

03

sollen oder müssen – wer will das?

KurzregelIst etwas notwendig, nimmst du müssen; will es eine andere Person, nimmst du sollen. Die Frage ist: Wer will das?

Das Deutsche zeigt in jedem Satz, woher die Pflicht kommt. Wenn du das falsche Verb wählst, ändert sich die Bedeutung des Satzes.

Ich muss zum Arzt.

= Es ist nötig, ich habe keine Wahl.

Ich soll zum Arzt.

= Jemand hat es mir gesagt.

müssensollen
QuelleUmstände · Regel · BedarfWunsch einer Person
StärkeNotwendigkeitWunsch, Anweisung, Rat
BeispielIch muss arbeiten.Ich soll arbeiten.
BedeutungIch habe keine WahlJemand will es

In der Verneinung ist der Unterschied noch größer: Ich muss nicht heißt „Es ist nicht nötig“, Ich soll nicht heißt „Man hat mir gesagt, dass ich es nicht tun soll“. Die Seite zu müssen erklärt die Verneinung genauer.

04

Fallen

FALLE 01

Ein Hilfsangebot mit müssen

Wenn du anbietest zu helfen, ist sollen das richtige Verb. Mit müssen fragst du: „Bin ich verpflichtet?“

Muss ich dir helfen?

= Bin ich verpflichtet, dir zu helfen?

Soll ich dir helfen?

= Möchtest du Hilfe?

FALLE 02

er sollt – eine Endung am Modalverb

Modalverben bekommen keine Personalendung; ich und er sind gleich.

Er sollt um acht kommen.

→ Modalverben haben kein -t bei er/sie/es.

Er soll um acht kommen.

FALLE 03

Einen Rat zu hart geben

Wenn du zu einem Freund Du sollst… sagst, klingt das wie ein Befehl. Die weiche Form ist solltest.

Du sollst zum Arzt gehen.

→ klingt wie eine Anweisung

Du solltest zum Arzt gehen.

→ klingt wie ein freundlicher Rat

Jetzt üben

Was du gerade gelernt hast

  • ___ ich das Fenster aufmachen? (Angebot)

    Antwort zeigen

    Soll, soll — Soll. Angebote wie „Möchtest du, dass ich …?“ machst du mit dem Muster Soll ich...?

  • Der Satz „Du sollst zum Arzt gehen.“ gibt einen freundlichen Rat.

    Antwort zeigen

    Falsch. sollst klingt wie eine Anweisung oder ein Befehl; für einen freundlichen Rat nimmst du solltest.

  • Der Arzt will, dass ich mehr schlafe. Welcher Satz passt?

    Antwort zeigen

    Der Arzt sagt, ich soll mehr schlafen. — ich soll. Der Wunsch kommt von jemand anderem (vom Arzt) → sollen. darf wäre eine Erlaubnis, will dein eigener Wunsch.

06Bauen

Bau den Satz selbst

Tipp die Wörter an und bring sie in die richtige Reihenfolge. Das ist der schwierigste Teil im Deutschen – und es gibt keine Auswahl: Du baust den Satz.

  1. Wörter antippen

  2. Wörter antippen

  3. Wörter antippen

Tipps

Vor dem Test wissen

Der Kern des Themas in drei Zeilen, darunter die häufigsten Fehler.

  1. sollen = die Anweisung kommt von jemand anderem

    Arzt, Chef, Regel – jemand anderes will es: Ich soll mehr schlafen. (der Arzt hat es gesagt)

    Der Arzt sagt, ich soll mehr schlafen.

  2. Soll ich …? = Möchtest du, dass ich …?

    Das Muster für ein Hilfsangebot: Soll ich dir helfen? · für einen gemeinsamen Plan: Sollen wir ins Kino?

    Soll ich dir helfen?

  3. solltest = freundlicher Rat

    Der Konjunktiv macht es weicher: Du solltest zum Arzt gehen. (Ich finde, es wäre gut, wenn du gehst)

    Du solltest mehr schlafen.

  4. Einfache Konjugation: kein Umlaut

    ich soll · du sollst · er soll · wir sollen · ihr sollt – das einzige Modalverb, dessen Stamm sich nie ändert.

    er soll um acht kommen

  • Ich soll Ärztin werden. (wenn es deine eigene Entscheidung ist)

    Ich will Ärztin werden.

    Dein eigener Wunsch ist wollen; sollen bringt den Plan eines anderen.

  • Du sollst zum Arzt gehen. (als freundlicher Rat gemeint)

    Du solltest zum Arzt gehen.

    sollst gibt einen Befehl weiter; für einen Rat braucht man den Konjunktiv.

  • Was soll ich machen? = Was mache ich gerade?

    Was soll ich machen? = Was ist mein Vorschlag / was empfiehlst du?

    Das Muster fragt nach Rat oder drückt Ratlosigkeit aus, nicht die Gegenwart.

  • Er sollt um acht kommen.

    Er soll um acht kommen.

    Die dritte Person Singular bekommt kein -t.

0605:50

Teste dich

Tipp auf eine Antwort – dann schauen wir gemeinsam, warum sie stimmt.

Ich möchte dir ein Angebot machen: Du willst Hilfe? Welcher Satz passt?

Soll ich. Das Angebot „Möchtest du, dass ich …?“ bildest du mit sollen. Muss ich…? würde heißen: „Bin ich verpflichtet …?“

Der Arzt will, dass ich mehr schlafe. Welcher Satz passt?

ich soll. Der Wunsch kommt von jemand anderem (vom Arzt) → sollen. darf wäre eine Erlaubnis, will dein eigener Wunsch.

Er um acht kommen. (Anweisung von jemand anderem)

soll. Bei Modalverben ist die Form für er/sie/es gleich wie bei ich und bekommt keine Endung.

Du gibst einem Freund einen freundlichen Rat: Arztbesuch. Welcher Satz passt?

solltest. Die weiche Form des Rats. sollst klingt wie eine Anweisung, musst wie eine Notwendigkeit.

Du bist ratlos und fragst: „Was ist mein nächster Schritt?“ Welcher Satz passt?

Was soll ich machen? Wenn du um Rat fragst, benutzt du sollen. Was muss ich machen? würde heißen: „Was bin ich verpflichtet zu tun?“

Ein Gebot: Lügen ist verboten. Welcher Satz ist richtig?

nicht lügen. Der Infinitiv wird nicht konjugiert und bekommt kein zu; nicht steht vor dem Infinitiv.
+7 Thema abschließen: ganzer Test 13 Fragen · mit Zeit · wie in der Prüfung · 60 % schließen das Thema ab

Übung geschafft – –

Um das Thema abzuschließen, mach den ganzen Test: Mit 60 % ist es auf deinem Niveau-Weg als erledigt markiert.

0/6 · Fragen beantwortet

Arbeitsblatt

sollen – Taschenkarte

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